BRUSTKREBSSCREENING

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KrebserkrankungUm das Überleben würfeln?

Brustkrebs-Screening (Mammographie-Screening) : Pro und Contra Screening führt  bei den Experten und in der Öffentlichkeit weiterhin zu heftigen Auseinandersetzungen.  Soll eine vor die Entscheidung gestellte Frau mittleren Alters etwa ein Glückslos ziehen,  oder ihr Schicksal gar von Würfeln abhängig machen? Oder soll sie einfach  weiter - wie seit Jahrzehnten üblich - selbst ihre Brust untersuchen, bzw. vom behandelnden Arzt untersuchen lassen?

 

Seit vielen Jahren ist unklar, ob die in vielen Ländern mit gewaltigem Zeit- und Finanzaufwand eingeführten Brustkrebs-Screening-Untersuchungen für die betroffenen Frauen zu empfehlen sind,  oder potentiell  eher Schaden anrichten als Nutzen stiften?  Pessimisten fragen sich öffentlich, ob es für die Frauen tatsächlich  sinnvoll ist mit Hilfe der Screening-Untersuchungen die frühe Entdeckung einer Brustkrebs-Erkrankung anzustreben und so zu riskieren,  durch die Folgen überflüssiger oder gar schädlicher Untersuchungen Schaden zu nehmen?

Doch eines ist klar: keineswegs scheint das blinde Vertrauen nicht berechtigt zu sein, das Frauen dazu bringt die Ratschläge forscher Frauenärztinnen und Frauenärzte zu befolgen, die ihren Patientinnen, ohne ausführliche Beratung zum Pro und Contra des Brustkrebs-Screenings,   einen Rat geben.

Jetzt wurde im Fachblatt British Medical Journal eine Studie (Canadian National Breast Screening Study) veröffentlicht, an der über 25 Jahre rund 90.000 Frauen teilnahmen. Die Studie zeigte, dass die Screening-Untersuchungen bei den  Frauen nicht wie erhofft zu einem Rückgang der Brustkrebs-Sterblichkeit geführt haben.

Während der fünfjährigen Screening-Periode (ein Screening pro Jahr) wurden in den Mammografie-Gruppe 666 invasiv wachsende Mammatumore entdeckt. 180 dieser Frauen starben während der 25jährigen Follow-up Periode. In der Kontrollgruppe waren es 524 Krebs- und 171 Todesfälle.  

 Die Daten der Frauen wurden über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahre  analysiert. Die Studienteilnehmerinnen hatten im Alter von 40 - 59 Jahren an 15 Screening-Zentren zufallsgesteuert (randomisiert) entweder an den angebotenen Brustkrebs-Screening-Untersuchungen teilgenommen - oder nicht.  In der Gruppe der Frauen, die zu Beginn der Untersuchung bereits zwischen 50 und 59 Jahre alt waren, nahmen aufgrund ethischer Überlegungen alle Frauen am Screening teil. 

 Im Studienzeitraum (Screening-Periode plus Nachbeobachtungszeit) erkrankten  in der Screening-Gruppe 3.150 Frauen an Brustkrebs  -  500 starben an der Krankheit.  In der Kontrollgruppe erkrankten 3.133 Frauen an Brustkrebs und 505 starben an dem Leiden.  

Nach 15 Jahren Nachbeobachtungszeit waren in der Screening-Gruppe insgesamt  106 Frauen zusätzlich zu der statistisch zu erwartenden Zahl   an Brustkrebs gestorben.  Diese "Übersterblichkeit" wurde von den Autoren der Studie auf die beim Screening unvermeidbare Überdiagnostik zurück geführt. 
Damit sind jene Krebserkrankungen gemeint, die  beim Screening entdeckt wurden und die ohne Screening während der Lebenszeit der untersuchten Frauen aus Sicht der Statistiker wahrscheinlich keine klinisch relevanten Beschwerden verursacht hätten.  

Insgesamt sind diese  und vergleichbare Studien für medizinische Laien und auch für viele Ärzte schwer zu lesen und noch schwerer zu interpretieren. Sie stellen auch nur aufgrund der Tatsache keine praktische Entscheidungshilfe dar,  da  mehrfach nachgewiesen wurde, dass es offenbar keinen medizinisch einleuchtenden Grund gibt, auch im Zweifelsfall an den Screening-Untersuchungen teilzunehmen.  

Das Fazit ist aufgrund der verwirrenden Zahlen leider eindeutig:  da wissenschaftliche Untersuchungen niemals etwas über den Einzelfall aussagen können - also über dass individuelle Brustkrebs-Erkrankungs- bzw. -Sterberisiko -  gibt es derzeit keine überzeugenden Entscheidungshilfen. Sowohl die Entscheidung für die Teilnahme am Screening-Programm kann einer Frau, bzw. deren Angehörigen, im Nachhinein wie ein  Irrtum mit tödlichen Folgen  erscheinen, als auch die standhafte Verweigerung der Teilnahme bzw. der Widerstand gegen ärztliche Ratschläge. Ob die jeweilige Entscheidung falsch war wird prinzipiell im Dunklen bleiben, da die betroffenen Frauen ja nicht wissen können, was sich aus dem gegensätzlichen Verhalten ergeben hätte.

 

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Quelle: BMJ

 







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