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Sportmedizin
Schutzhelme erhöhen bei Skiunfällen das Risiko tödlicher Gehirnverletzungen

Der schwere Skiunfall von Michael Schumacher erbringt nun den Beweis: Schutzhelme können  schwere Schädel-Hirn-Verletzungen beim Skilaufen nicht zuverlässig verhindern. Die massenhafte Verbreitung der Helme fördert vielmehr die Risikobereitschaft vieler Skifahrer und erhöht so die Gefahr tödlicher Unfall-Verläufe.

Obgleich mittlerweile nach Experten-Schätzungen  zwei von drei Skiläufern einen Schutzhelm tragen, ist die Zahl schwerer und schwerster Schädel-Hirn-Traumata, und die dadurch ausgelösten Todesfälle, in den vergangenen Jahren nicht in dem Maß zurück gegangen, in dem sich die Zahl der von Skiläufern getragenen Schutzhelme erhöht hat. Diese Zahl hat sich seit 2003 nahezu verdreifacht. 

Die Erwartungen der auf eine allgemeine Helmpflicht drängenden Optimisten wurden somit schwer enttäuscht.  Die weiterhin hohe Zahl von tödlich verlaufenden Skiunfällen ist aber darauf zurück zu führen, dass die Schutzhelme generell nicht geeignet sind, der Hauptursache tödlicher Skiunfälle zuverlässig entgegen zu wirken.Die derzeit im Handel angebotenen Schutzhelme senken nur - wenn sie eine ausreichend gute strukturelle Qualität haben - das Risiko für oberflächliche  Verletzungen der Kopfhaut - also beispielsweise auch das Risiko einer Skalpierung. Und auch Brüche (Frakturen) der Schädelknochen werden heute seltener beobachtet als noch vor einigen Jahren. Doch von diesen beiden Gruppen von Verletzungen nach Ski-Unfällen gingen ohnehin nie die größten Risiken für lebensbedrohliche Verletzungen aus.
Am gefährlichsten waren und sind nämlich die rein mechanischen Folgen der durch einen Helm nicht zu verhindernden Gehirnerschütterungen.  Diese werden selbst durch qualitativ hochwertige Schutzhelme bestenfalls abgemildert.
Trotz eines Schutzhelms wirken bei einem Sturz im Schnee oder auf einen Felsen  in kürzester Zeit auf das Gehirn eines Unfallopfers  so gewaltige Beschleunigungen ein, dass diese Kräfte zwangsläufig - mit und ohne Helm - lebensgefährliche Hirn-Quetschungen, bzw. 
-Blutungen verursachen. Diese dramatischen Verletzungen des Gehirngewebes lösen ihrerseits innerhalb kurzer Zeit über Flüssigkeitsansammlungen im Gehirngewebe Schwellungen aus, die  - da das Gehirn dem Druck der Flüssigkeiten (Gehirnwasser und/oder Blut) span> auaufgrund des eng anliegenden Schädelknochens  nicht ausweichen kann - das umgebende Hirn-Gewebe zerstören. Dadurch können innerhalb weniger Minuten unter anderem lebensbedrohliche Atemlähmungen ausgelöst werden.
Im Fall von m>Michael Schumacher w wiesen die behandelnden Ärzte bei einer Pressekonferenz darauf hin,  dass ihr Patient ,wenn er keinen Schutzhelm getragen hätte,  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Krankenhaus nicht lebend erreicht hätte. 

Die weitere Analyse der Skiunfälle offenbart aber noch einen weiteren schwerwiegenden Umstand:  Da die meisten Skifahrer nichts über die Feinmechanik von Skiunfällen wissen, vermitteln ihnen die Schutzhelme ein völlig falsches Gefühl der Sicherheit. Und da sie den Eindruck haben unverletzlich zu sein, fahren sie von Jahr zu Jahr schneller, springen höher und verlassen immer öfter die freigegebenen Skipisten. Es ist daher nicht ausgeschlossen,  dass sich eine allgemeine Helmpflicht unter dem Strich als kontraproduktiv erweisen könnte. Die Schutzhelme lösen nämlich in vielen Fällen offenbar erst das Verhalten aus, dessen potentiell tödliche Folgen sie eigentlich verhindern sollen.

Dieser Aspekt wird auch durch wissenschaftliche Studien untermauert. So zeigte eine 2012 an der  Western Michigan University School of Medicine durchgeführte Untersuchung, dass die Zahl der bei Skifahrern und Snowboardern beobachteten Schädelverletzungen zwischen 2004 und 2010 um 60 Prozent (von 9,308 in 2004 auf 14,947 in 2010) zugenommen hat. Und dies, obgleich im gleichen Zeitraum auch die Zahl der Schutzhelme in einer nahezu gleichen Größenordnung zugenommen hatte.

Eine andere,
im Frühjahr 2013 veröffentlichte Studie der Universität Washington zeig bestätigte diesen Trend und zeigte, dass sich die Zahl der durch einen Schnee-Sport verursachten Kopfverletzungen bei Jugendlichen und Heranwachsenden in den Jahren von 1996 bis 2010 um rund 250% erhöht hat.

"Es gibt keine 100% wirksame Schutz vor Verletzungen des Gehirns" resümierte Allen Weintraub, Direktor des Aktionsprogramms gegen Gehirn-Verletzungen am Craig Hospital, Englewood, Colorado, USA.
"Je besser Schädel und Gehirn geschützt werden, um so höher ist die Risikobereitschaft der Skifahrer. Das führt zwangsläufig zu deutlich höheren Geschwindigkeiten.  Und diese Geschwindigkeiten werden dann bei einem Ski-Unfall auf den Schädelknochen des Verletzten und von diesem auf das empfindliche Gehirngewebe übertragen." Diese Gehirnverletzungen können aber viele Skifahrer nicht überleben.

Quelle:  New York Times 2014,
Zur Originalquelle  hier  (kostenlose Zusammenfassung in englischer Sprache)










Der nachfolgend dargestellte Text wurde in der werbefreien online Enzyklopädie WIKIPEDIA unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ für die freie Weiterverbreitung publiziert. Nähere Angaben zu dieser Lizenz finden Sie hier.
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