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Endoprothesen: Künstliche Hüftgelenke, bei denen sich Metallköpfe in Metallpfannen bewegen - sog. Metall-auf-Metall-Endoprothesen -erweisen sich aufgrund des unvermeidbaren Abriebs von hochgiftigen Metallionen als möglicherweise gefährlichste Variante künstlicher Ersatzgelenke.

Medizintechnik-Produkte werden in Europa nur unzureichend auf ihre Sicherheit hin untersucht und zertifiziert. Kommerzielle Interessen konkurrierender Unternehmen verhindern oft, dass operativ tätige Orthopäden eine medizinisch sinnvolle Auswahl aus einem Überangebot von Produkten treffen können. Die übliche Wahrung angeblicher Geschäftsgeheimnisse behindert eine objektive Aufklärung von Ärzten und Patienten über Gefahren und Nebenwirkungen. Dies gilt insbesondere auch für die Endoprothesen-Modelle, die dem Ersatz  verschlissener oder missgebildeter Hüftgelenks dienen sollen.
In diesem Zusammenhang publizierte jetzt das angesehene Fachblatt "British Medical Journal" einen langen Übersichtsartikel, der sich mit dem brisanten Thema der Metall-auf-Metall-Hüftgelenks-Endoprothesen beschäftigt. Die Autorin analysiert die Fakten die darauf hinweisen, dass es sich bei diesen Endoprothesen um potentiell gefährliche Produkte handelt, die aus Sicherheitsgründen nicht implantiert werden sollten.

Die weltweit in großen Stückzahlen verwendeten Metall-auf-Metall-Hüftgelenks-Endoprothesen setzen im Lauf der Zeit in großen Mengen toxische Metallionen frei, die man im Blut und Urin der Patienten nachweisen kann. Diesen winzig kleinen Metallteilchen und dem zu beobachtende Abrieb wird nachgesagt, dass sie die Erbanlagen der betroffenen Personen schädigen, wahrscheinlich Tumore auslösen und aufgrund der entstehenden Materialschwächen häufig zu Misserfolgen des Hüftgelenksersatzes führen.
Metall-auf-Metall-Endoprothesen wurden seit dem Jahr 1997 erneut weltweit vermarktet und insbesondere bei jungen, aktiven Patienten eingesetzt, deren Prothesen ein Leben lang halten sollten. Doch heute weiß man, dass diese Prothesen offenbar besonders fehleranfällig sind.
Es zeigte sich nämlich, dass Therapieversager bei Metall-auf-Metall-Hüftgelenks-Prothesen in 13,6% der Fälle zu beobachten sind,  während die Versagerquote bei der Verwendung anderer Material-Kombinationen nur zwischen 3,3 und 4.9% schwankt.
Betrachtet man allerdings die Sterblichkeit nach der Implantation von Hüftgelenks-Endoprothesen so zeigt sich über einen Zeitraum von 20 Jahren, dass die Sterblichkeit bei Patienten denen Metall-auf-Metall-Endoprothesen eingesetzt wurden,  nicht höher ist als jene von Patienten bei denen beispielsweise Gelenkpfannen aus Keramik oder Kunststoff verwendet wurden. Doch 20 Jahre sind bei Hüftgelenks-Endoprothesen, die bei jüngeren Menschen oft viele Jahrzehnte halten müssen, eine relativ kurze Zeit. Und echte Langzeitergebnisse liegen derzeit noch nicht vor.,

Diese bedrohliche Problematik ist schon lange bekannt - doch sie wurde nicht öffentlich diskutiert. Unter anderem wies eine an der  University of Western Ontario & London Health Sciences Centre  durchgeführte und in einem renommierten Fachblatt veröffentlichte Untersuchung bereits im Jahr 2004 darauf hin, dass im Blut und Urin von Patienten mit Metall-auf-Metall-Endoprothesen Metallionen nachgewiesen wurden, die hochgiftig sind und möglicherweise neben dem Krebsrisiko auch das Risiko für Schädigungen der Erbmasse erhöhen. Zusätzlich erhöht sich das Allergierisiko und aufgrund des unterschiedlich starken Abriebs könnten sich außerdem Instabilitäten des künstlichen Gelenks ergeben. Diese Sorgen sind auch deshalb so bedrohlich, da Metall-auf-Metall-Prothesen gerne bei jungen Patienten verwendet werden, da ihnen ursprünglich im Vergleich zu den aus Polyethylen oder Keramik gefertigten Gelenkpfannen-Auskleidungen  eine längere Haltbarkeit zugeschrieben wurde.

Michael Carome von der nicht-kommerziellen US-Verbraucherschutzorganisation Public Citizen’s Health Research Group  spricht im Zusammenhang mit den Metall-auf-Metall-Hüftgelenks-Endoprothesen von einem sehr großen Experiment, bei dem Millionen von Menschen einem unbekannten Risiko ausgesetzt werden. Eine Antwort auf die Frage der Sicherheit dieses Endoprothesen-Typs wird es erst geben, wenn eine sehr große Zahl von Menschen den unbekannten Risiken bereits ausgesetzt waren.

Quellen: British Medical Journal 2012
Clin Orthop Relat Res. 2004 Dec;(429):86-93.

BMC Musculoskelet Disord. 2010 Apr 23;11:78.

 

Zur Originalquelle hier (in englischer Sprache)

 

Weitere Informationen

Metal-on-metal total hip arthroplasty: the concerns.
MacDonald SJ. Source Division of Orthopaedic Surgery, University of Western Ontario & London Health Sciences Centre  hier

A retrospective comparative study of mortality and causes of death among patients with metal-on-metal and metal-on-polyethylene total hip prostheses in primary osteoarthritis after a long-term follow-up.  hier  

 

Der nachfolgend dargestellte Text wurde in der werbefreien online Enzyklopädie WIKIPEDIA  der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ für die freie Weiterverbreitung publiziert. Nähere Angaben zu dieser Lizenz finden Sie hier. Sollte Ihr Browser keine Frames darstellen, so können Sie den zum Thema Endoprothesen publizierten Text auch hier abrufen.  Angaben zu früheren Versionen dieses Textes und zu den Autoren des Beitrags finden Sie hier.

 

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