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Zuckerkrankheit
Einige beim Diabetes Typ 2-eingesetze moderne Blutzuckersenker sind vergleichsweise teuer und gefährden dem Anschein nach Gesundheit und Leben vieler Zuckerkranker. Preiswerte und gut wirkende Alternativen stehen schon lange zur Verfügung.

Hauptziel der Behandlung des früher als "Alterszucker" bezeichneten Diabetes-Typ 2 ist es, die Entstehung der nach Jahren drohenden, lebensgefährlichen Spätfolgen einer unzureichend behandelten Zuckerkrankheit zu verhindern, bzw.  diese möglichst lange hinaus zu zögern. Und  natürlich soll die jeweilige Therapie das Sterberisiko möglichst drastisch absenken.
Als Maß der Therapiequalität wir derzeit meist ein Blutwert (glycated haemoglobin (HbA1C)) angesehen, der bei Zuckerkranken routinemäßig gemessen wird.  Zur Absenkung des HbA1C-Wertes stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die sich in erster Linie durch ihren Preis unterscheiden. Natürlich wäre es logisch nur solche Medikamente einzusetzen, die trotz eines hohen Preises im Vergleich zu bewährten und preiswerten Alternativen einen mit wissenschaftlichen Methoden messbaren Zusatznutzen haben - also die Spätfolgen besser verhindern, und die Sterblichkeit deutlicher absenken als  die preiswerten Standard-Medikamente.   Doch dies ist offenbar nicht generell der Fall.

Jetzt hat daher eine Arbeitsgruppe um Professor Thomas L Perry in einem Leserbrief an das renommierte Fachblatt "British Medical Journal" daran erinnert, dass es nicht darauf ankommt, "HbA1C-Kosmetik" zu betreiben - also um jeden Preis niedrigere Werte zu produzieren. Wichtig für die Therapieentscheidung und den Erfolg der Behandlung ist vielmehr die tatsächliche Verhütung der drohenden Diabetes-Spätkomplikationen wie Erblindung, Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine , bzw.  in erster Linie eine nachweisbare Absenkung des Sterberisikos. 

Doch all dies konnte für die teuren Dipeptidyl Peptidase-4 Hemmer  (DPP-4) nicht belegt werden.  Es konnte lediglich bewiesen werden, das sie den erhöhten HbA1C-Blutspiegel senken können, ohne dass die Therapie zu einer unerwünschten Zunahme des Körpergewichts führt. Es konnte außerdem gezeigt werden, dass die neue Therapie das Sterberisiko der Patienten nicht erhöht und auch keine schweren Therapie-Nebenwirkungen auslöst. Das ist beruhigend- doch dies sind Aspekte der Behandlung, auf die es nicht wirklich ankommt.

Für die  Dipeptidyl Peptidase-4 Hemmer konnte nämlich bisher nicht nachgewiesen werden, dass sie in der Lage sind,  das Risiko für die lebensbedrohlichen Spätfolgen einer Zuckerkrankheit sowie das Sterberisiko zu vermindern. Experten stellen daher die naheliegende Frage, warum man diese teuren Medikamente derzeit überhaupt einsetzen sollte?  Immerhin gibt es seit langem mit Metformin eine preisgünstige Wirkstoff-Alternative, für die die als wichtig angesehenen Wirkungen in der Vergangenheit in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnten.

Die Autoren der hier vorgestellten Analyse wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch andere derzeit häufig angewandte Therapievarianten nicht empfohlen werden können. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass eine zu radikale Senkung der kapillaren Glukose-Konzentration und das Erzwingen sehr niedriger HbA1C-Blutspiegel das Risiko für die Diabetes-bedingten Spätschäden und das Sterberisiko sogar erhöhen.
Die ebenfalls viel verordneten Blutzuckersenker Pioglitazone und Rosiglitazone senken zwar den HbA1C-Blutspiegel,  vermindern aber nicht das Risiko für gefährliche Herz-Kreislaufkrankheiten. Außerdem erhöhen diese beiden Wirkstoffe das Risiko für die Entstehung einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz).  Und Rosiglitazone erhöht zusätzlich auch noch das Herzinfarkt-Risiko.  Alles Therapien, die vermutlich mehr schaden als nutzen.

Die Kosteneffizienz der DPP-4-Blocker lässt sich nach Meinung der Forscher erst dann sinnvoll abschätzen,  wenn feststeht, dass sie die Risiken für die Diabetes-Spätfolgen und das Sterberisiko noch besser absenken, als das preisgünstige und seit Jahren bewährte Metformin.  Die Autoren der Studie betonen aufgrund dieser Fakten mit Nachdruck, dass es besser wäre, die für die gefährlichen Medikamente aufgewandten Mittel für die Diabetikerschulung einzusetzen. Dabei könnten die Zuckerkranken sinnvolle Änderungen ihres Lebensstils kennenlernen und erlernen. Längst ist nämlich bekannt, dass eine optimale Diät in Kombination mit einer geeigneten körperlichen Belastung die erhöhten Blutzuckerwerte hin zur Norm absenkt.

 

Weitere wichtige Informationen zu diesem Thema Therapie des Diabetes -Typ- 2

Karagiannis T, Paschos P, Paletas K, Matthews DR, Tsapas A. Dipeptidyl peptidase-4 inhibitors for treatment of type 2 diabetes mellitus in the clinical setting: systematic review and meta-analysis. BMJ2012;344:e1369. (12 March.) FREE Full Text

 

UK Prospective Diabetes Study group. Effect of intensive blood-glucose control with metformin on complications in overweight patients with type 2 diabetes (UKPDS 34). UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group. Lancet1998;352:854-65. CrossRefMedlineWeb of Science

 

The Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group. Effects of intensive glucose lowering in type 2 diabetes. N Engl J Med2008;358:2545-59. CrossRefMedline

 

Richter B, Bandeira-Echtler E, Bergerhoff K, Clar C, Ebrahim SH. Pioglitazone for type 2 diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev2006;4:CD006060. Medline

 

Nissen SE, Wolski K. Effect of rosiglitazone on the risk of myocardial infarction and death from cardiovascular causes. N Engl J Med2007;356:2457-71. CrossRefMedline

 

Quelle: BMJ 2012; 344 doi: 10.1136/bmj.e2914 (Published 25 April 2012) Cite this as: BMJ 2012;344:e2914

 

Zur Originalquelle hier (in englischer Sprache)

 

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