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die Themenkomplexe
Medizin, Gesundheit und Wohlfühlen
2012
Zuckerkrankheit Einige beim Diabetes Typ 2-eingesetze moderne Blutzuckersenker sind
vergleichsweise teuer und gefährden
dem Anschein nach Gesundheit und Leben vieler Zuckerkranker.
Preiswerte und gut wirkende Alternativen stehen schon lange zur
Verfügung.
Hauptziel der Behandlung des früher als "Alterszucker" bezeichneten
Diabetes-Typ 2 ist es, die Entstehung der nach Jahren drohenden, lebensgefährlichen
Spätfolgen einer unzureichend behandelten Zuckerkrankheit zu
verhindern, bzw. diese möglichst lange hinaus zu zögern. Und
natürlich soll die jeweilige Therapie das Sterberisiko möglichst
drastisch absenken. Als Maß
der Therapiequalität wir derzeit meist ein Blutwert (glycated
haemoglobin (HbA1C))
angesehen, der bei Zuckerkranken routinemäßig gemessen wird.
Zur Absenkung des HbA1C-Wertes stehen verschiedene Medikamente zur
Verfügung, die sich in erster Linie durch ihren Preis unterscheiden.
Natürlich wäre es logisch nur solche Medikamente einzusetzen, die trotz
eines hohen Preises im Vergleich zu bewährten und preiswerten
Alternativen einen mit wissenschaftlichen Methoden messbaren Zusatznutzen haben
- also die Spätfolgen besser verhindern, und die Sterblichkeit
deutlicher absenken als die preiswerten Standard-Medikamente. Doch
dies ist offenbar nicht generell der Fall.
Jetzt hat daher eine
Arbeitsgruppe um Professor Thomas
L
Perry in einem Leserbrief an
das renommierte Fachblatt
"British Medical Journal" daran
erinnert, dass es nicht darauf
ankommt, "HbA1C-Kosmetik" zu
betreiben - also um jeden
Preis niedrigere Werte zu
produzieren. Wichtig für die
Therapieentscheidung und den
Erfolg der Behandlung ist
vielmehr die tatsächliche
Verhütung der drohenden
Diabetes-Spätkomplikationen
wie Erblindung, Herzinfarkt,
Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der
Beine , bzw. in erster
Linie eine
nachweisbare Absenkung des
Sterberisikos.
Doch all dies konnte für die teuren Dipeptidyl Peptidase-4
Hemmer (DPP-4) nicht
belegt werden. Es konnte
lediglich bewiesen werden, das
sie
den erhöhten HbA1C-Blutspiegel senken
können, ohne dass die Therapie zu
einer unerwünschten Zunahme
des Körpergewichts führt. Es
konnte außerdem gezeigt
werden, dass die
neue Therapie das Sterberisiko
der Patienten nicht erhöht und auch keine
schweren
Therapie-Nebenwirkungen
auslöst. Das ist beruhigend-
doch dies sind Aspekte der
Behandlung, auf die es
nicht wirklich ankommt.
Für die Dipeptidyl Peptidase-4
Hemmer konnte nämlich bisher nicht
nachgewiesen werden, dass sie
in der Lage sind, das
Risiko für die
lebensbedrohlichen Spätfolgen
einer Zuckerkrankheit sowie das Sterberisiko zu
vermindern. Experten stellen
daher die naheliegende Frage,
warum man diese teuren
Medikamente derzeit überhaupt
einsetzen sollte?
Immerhin gibt es seit
langem mit Metformin eine
preisgünstige
Wirkstoff-Alternative, für die
die als wichtig angesehenen Wirkungen
in der Vergangenheit in wissenschaftlichen Studien
nachgewiesen werden konnten.
Die Autoren der hier
vorgestellten Analyse wiesen
in diesem Zusammenhang darauf
hin, dass auch andere derzeit
häufig angewandte Therapievarianten
nicht empfohlen werden können.
So konnte beispielsweise
gezeigt werden, dass eine zu
radikale Senkung der
kapillaren
Glukose-Konzentration und das
Erzwingen sehr niedriger
HbA1C-Blutspiegel das Risiko
für die
Diabetes-bedingten Spätschäden und
das Sterberisiko sogar erhöhen.
Die
ebenfalls viel verordneten
Blutzuckersenker Pioglitazone
und Rosiglitazone senken
zwar den HbA1C-Blutspiegel,
vermindern aber nicht das Risiko
für gefährliche
Herz-Kreislaufkrankheiten.
Außerdem erhöhen diese beiden
Wirkstoffe das Risiko für die
Entstehung einer
Herzmuskelschwäche
(Herzinsuffizienz). Und Rosiglitazone erhöht
zusätzlich auch noch das
Herzinfarkt-Risiko.
Alles Therapien, die
vermutlich mehr schaden als
nutzen.
Die Kosteneffizienz der
DPP-4-Blocker lässt sich
nach Meinung der Forscher erst dann
sinnvoll abschätzen,
wenn feststeht, dass sie die
Risiken für die
Diabetes-Spätfolgen und das
Sterberisiko noch besser absenken,
als das preisgünstige und seit
Jahren bewährte Metformin. Die Autoren
der Studie betonen aufgrund
dieser Fakten mit Nachdruck,
dass es besser wäre, die für
die gefährlichen Medikamente
aufgewandten Mittel für die
Diabetikerschulung
einzusetzen. Dabei könnten die
Zuckerkranken sinnvolle
Änderungen ihres Lebensstils
kennenlernen und
erlernen. Längst ist nämlich bekannt,
dass eine optimale Diät in
Kombination mit einer
geeigneten körperlichen
Belastung die
erhöhten Blutzuckerwerte hin
zur Norm absenkt.
Weitere wichtige Informationen
zu diesem Thema Therapie des
Diabetes -Typ- 2
↵ Karagiannis T, Paschos
P, Paletas K, Matthews DR,
Tsapas A. Dipeptidyl
peptidase-4 inhibitors for
treatment of type 2 diabetes
mellitus in the clinical
setting: systematic review and
meta-analysis.
BMJ2012;344:e1369. (12 March.)
FREE Full Text
↵ UK Prospective Diabetes
Study group. Effect of
intensive blood-glucose
control with metformin on
complications in overweight
patients with type 2 diabetes
(UKPDS 34). UK Prospective
Diabetes Study (UKPDS) Group.
Lancet1998;352:854-65.
CrossRefMedlineWeb
of Science
↵ The Action to Control
Cardiovascular Risk in
Diabetes Study Group. Effects
of intensive glucose lowering
in type 2 diabetes. N Engl J
Med2008;358:2545-59.
CrossRefMedline
↵ Richter B,
Bandeira-Echtler E, Bergerhoff
K, Clar C, Ebrahim SH.
Pioglitazone for type 2
diabetes mellitus. Cochrane
Database Syst
Rev2006;4:CD006060.
Medline
↵ Nissen SE, Wolski K.
Effect of rosiglitazone on the
risk of myocardial infarction
and death from cardiovascular
causes. N Engl J
Med2007;356:2457-71.
CrossRefMedline
Quelle:
BMJ 2012;
344 doi: 10.1136/bmj.e2914 (Published
25 April 2012) Cite this as:
BMJ 2012;344:e2914
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aktualisiert 10.01.2026
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