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Pneumokokken-Impfung

Multiresistente Pneumokokken-Lungenentzündung (Pneumokokken-Pneumonie): Vorbeugung durch Pneumokokken-Impfung vor der Urlaubsreise

Weltweit nimmt die Verbreitung von multiresistenten Pneumokokken, die häufigste Ursache ambulant erworbener Lungenentzündungen, zu. In einigen beliebten Reiseländern wie Spanien, Frankreich und Griechenland ist das Risiko für schwer verlaufende Pneumokokken-Erkrankungen mit tödlichem Ausgang deutlich erhöht. „Prävention vor solchen Krankheitsverläufen sowie vor der Ausbreitung multiresistenter Stämme bietet der Pneumokokken-Impfstoff“, so Professor Joachim Lorenz vom Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie (CAP-Netz). „Insbesondere reisefreudige ältere und chronisch kranke Menschen sollten sich impfen lassen, bevor sie in diese Länder reisen.“

Pneumokokken sind die häufigsten Erreger der ambulant erworbenen Pneumonie, der weltweit meist registrierten Infektionskrankheit. Die Ausbreitung antibiotikaresistenter Pneumokokkenstämme hat in den letzten 15 Jahren weltweit stark zugenommen. Darüber hinaus treten Resistenzen gegen häufig eingesetzte Antibiotika sogar kombiniert auf und erschweren die Therapie zusätzlich. In Deutschland liegt der Anteil resistenter Streptococcus pneumoniae Stämme mit bis zu zehn Prozent gegen Penizilline und rund 15 Prozent gegen Makrolid- und Tetrazyklinantibiotika noch vergleichsweise niedrig.

In vielen Ländern mit großzügigem Antibiotikaeinsatz liegt die Resistenzrate für Penizilline zwischen 30 bis 50 Prozent und für Makrolide bei bis zu 60 Prozent. Penizillin- und Makrolidresistenzen treten bereits in 60 Prozent der Fälle kombiniert auf. Auch gegen neue Antibiotika der Fluorochinolongruppe sind erste Resistenzen nachgewiesen.

Zu den Ländern mit hohen Resistenzraten zählen viele beliebte Urlaubsziele wie Spanien, Frankreich, Griechenland, Irland und USA. Reisefreudige ältere und chronisch kranke Menschen setzen sich dort nicht nur einem erhöhten Infektionsrisiko mit multiresistenten, unzureichend therapierbaren Pneumokokken aus, sondern tragen auch zu deren Verbreitung bei.

Risikofaktoren für eine Pneumokokken-Pneumonie sind neben einem Alter über 60 Jahren insbesondere ein schlechter Immunstatus und das Vorhandensein von Begleiterkrankungen. Vorangegangene Behandlungen mit Antibiotika begünstigen die Resistenzentwicklung, weil die Bakterien bereits vor Auslösung einer Pneumonie längere Zeit den Nasen-Rachen-Raum besiedeln und daher die Verabreichung von Antibiotika Selektion und Entwicklung resistenter Pneumokokken fördern kann. Deshalb sollten Antibiotika der gleichen Wirkstoffgruppe nach Meinung von Experten möglichst nicht im kurzen zeitlichen Abstand eingenommen werden.

„Wenn eine Pneumokokken-Erkrankung auftritt, ist für die Wahl des Antibiotikums auch die Reisevorgeschichte wichtig: Vor allem bei Behandlung von Patienten, die während oder nach einer Reise in Länder mit erhöhten Antibiotikaresistenzen erkranken,“ so
Professor Joachim Lorenz. Den Ärzten rät er: „Vermeiden Sie allgemein einen unnötigen Einsatz von Antibiotika, achten Sie im Bedarfsfall auf eine ausreichend hohe Dosierung sowie Einnahmedauer, und impfen Sie gefährdete Personen. Damit können Sie helfen, Resistenzinduktion wie Ausbreitung multiresistenter Pneumokokken zu minimieren und die Wirksamkeit der Antibiotika zu erhalten.“

In Deutschland wird die Pneumokokken-Impfung allen Personen über 60 Jahren, chronisch Kranken und immungeschwächten Patienten empfohlen. Der Impfstoff enthält Antigene der 23 vorherrschenden Typen von Streptococcus pneumoniae, die 90 Prozent der Pneumokokken-Erkrankungen verursachen und senkt nachweislich Vorkommen und Sterblichkeit ambulant erworbener Pneumokokken-Pneumonien.

Pneumokokken-Erkrankungen fordern weltweit jedes Jahr über eine Million Menschenleben. Die Sterblichkeit einer schweren Pneumokokkenpneumonie beträgt trotz heutiger Therapiemöglichkeiten bei älteren Menschen 30 bis 50 Prozent. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 12.000 Menschen infolge einer Pneumokokken-Erkrankung. In manchen Fällen verläuft die Pneumokokken-Erkrankung so rasant, dass eine Behandlung oft zu spät kommt. „Streptococcus pneumoniae gehört zusammen mit den Influenzaviren zu den häufigsten potenziell tödlichen Krankheitserregern gegen die eine Impfung vorbeugen kann,“ resümiert Ralf René Reinert vom Nationalen Referenzzentrum für Streptokokken (NRZ), Aachen. „Daher ist es nicht nur bedauerlich, sondern geradezu nachlässig, dass in einem Land wie Deutschland nur fünf bis sieben Prozent der gefährdeten Personen geimpft sind.“


 

 

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