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2.1.2026
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Quelle:
Journal Twin Research
Gleichberechtigung
beim Seitensprung – sind untreue Frauen das willenlose Opfer ihrer
Erbanlagen?
Von Jochen Kubitschek
Sobald es eine Frau mit der Treue nicht so genau nimmt, begibt
sie sich selbst in westlichen Gesellschaften in eine nicht zu
unterschätzende Gefahr. Anders als bei Männern, denen Untreue
und sogar Partnerwechsel in Serie mit dem Argument „die denken
nun mal mit den Schwanz“ sozusagen als angeboren leicht verziehen
wird, treffen wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte flatternde
Angehörige des weiblichen Geschlechts von Alters her auf deutlich
weniger Verständnis. Ihnen wird unter anderem unterstellt, daß
sie jenseits der Pubertät, also frei von hormonellen Zwängen,
über ihr Verhalten eigenverantwortlich entscheiden können. Dementsprechend
gewalttätig reagieren einige der betrogenen Partner auf den Blick
ihrer Frau über Nachbars Zaun – insbesondere dann, wenn es nicht
bei einem Blick bleibt. Generell wird die Untreue bei Frauen nahezu
weltweit und in allen Kulturen anders bewertet, als jene der Männer
denen die intellektuelle Selbstbestimmung über ihr Sexualverhalten
nahezu vollständig abgesprochen wird.
Möglicherweise muß nun der theoretische Hintergrund dieser Ungleichbehandlung
der Geschlechter neu überdacht werden. Britische Zwillings-Forscher
um Professor Tim Spector, Leiter der Twin Research Unit am St
Thomas Hospital in London, haben nämlich bei der Befragung von
3.200 identischen und nicht-identischen Zwillingsschwestern herausgefunden,
daß die Zahl der Sexualpartner, bzw. der Trend zu Untreue gegenüber
dem jeweiligen Partner, angeblich zumindest zu 41% von der jeweiligen
individuellen Erbanlage gesteuert wird. Bei der Zahl der Sexualpartner
sollen 38% genetisch bedingt sein. Die im Journal Twin Research
publizierte Studie gehört zu einer Serie von Untersuchungen bei
der seit 1992 rund 10.000 Zwillinge intensiv untersucht wurden.
Immerhin 22% der befragten Frauen gaben bei der Fragebogenaktion
an, in der Vergangenheit trotz einer stabilen Partnerschaft untreu
gewesen zu sein. In dieser Gruppe bekannten sich die Frauen zu
durchschnittlich 8 unterschiedlichen Sexualpartnern, während es
die Frauen, die partnerschaftliches Wohlverhalten zu Protokoll
gegeben hatten, nur auf 4 Sexualpartner brachten. Im Durchschnitt
waren die befragten Frauen 50 Jahre alt und zu 98% heterosexuell.
Eine nicht-identische Schwester einer untreuen Frau hat nach den
Erkenntnissen der Zwillingsforscher selbst eine um 50% erhöhte
Chance eine außereheliche Beziehung zu riskieren. Den Wissenschaftlern
ist es zwar nicht gelungen, ein „Untreue- Chromosom“ zu identifizieren.
Sie fanden aber 3 von 23 Chromosomen- Paaren, die mit dem sozial
nicht erwünschten Verhalten der flatterhaften Frauen zu tun haben
könnten.
Obgleich das in der Studie untersuchte Verhalten dem ersten Anschein
nach nicht gerade stabilisiert, haben die Forscher auf einen Aspekt
verwiesen, der zeigt, daß die Untreue von Frauen bei der Entwicklung
der menschlichen Gattung durchaus eine wichtige Rolle gespielt
haben könnte. Generell ist nämlich in vielen Kulturen die Tendenz
zu beobachten, daß sich Frauen für den Seitensprung einen Sexualpartner
aus einer höheren sozialen Schicht suchen. Durch diesen „Aufstieg“
erhalten Frauen aus der Unterschicht die einmalige Möglichkeit,
ihre eigene genetisch unbedeutende Erbmasse im Interesse ihrer
Nachkommen mit der Erbmasse eines genetisch überlegenen Partners
zu mischen.
Interessanterweise gab die Mehrzahl der untreuen Frauen an, daß
sie ihr eigenes Verhalten nicht positiv beurteilen. Daraus folgerten
die Forscher, daß ethisch moralische Vorstellungen offenbar im
Gegensatz zum eher von angeborenen Trieben gesteuerten Verhalten
nicht genetisch vorbestimmt sind. Außerdem darf man bei der Bewertung
des Verhaltens der ungetreuen Frauen die Tatsache nicht aus dem
Auge verlieren, daß rund 59% der Fälle von Untreue nicht genetisch
bedingt sind.
Insbesondere diese Aspekte werden den beim Seitensprung ertappten
Frauen wohl auch in Zukunft die Argumentationsschiene kräftig
verhageln, daß es für sie aufgrund ihrer bedauerlichen Erbanlage
gar nicht möglich gewesen sei, dem Partner treu zu sein.
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