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Quelle:
arznei-telegramm

Das auch bei Pollenallergikern
beliebte Antiallergikum Loratadin wird mit einer erhöhten
Missbildungsrate bei Neugeborenen in Zusammenhang gebracht.
von
Dr. med. Jochen Kubitschek
Während ältere Antiallergika vom Typ Clemastin und Dimetinden
den Nachteil hatten
müde zu machen - und daher für Autofahrer ungeeignet waren - werben
die Hersteller modernerer Antiallergika damit, dass diese nicht
müde machen und daher viel besser verträglich seien.
Jetzt ist zumindest die Substanz Loratadin ins Gerede gekommen. In Schweden wurden
bei Frauen die Loratadin in den ersten Schwangerschaftsmonaten
eingenommen hatten, bei den Neugeborenen vermehrt Missbildungen
entdeckt. Während der Frühschwangerschaft sollte daher - wenn
eine symptomatische Behandlung der Allergie unaufschiebbar ist
- auf die älteren Medikamente vom Typ Clemastin (Tavegil®) und Dimetinden
(Fenistil®) zurückgegriffen werden.
Besser ist allerdings die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie
(SIT), da es sich hierbei nach Meinung der Experten und der
WHO um die einzige Allergietherapie handelt, die an der Ursachen
der Allergie ansetzt.
Hier die Originalquelle:
Fehlbildungen in Verbindung mit Antiallergikum
Loratadin
- Die europäische Arzneimittelbehoerde EMEA überprüft derzeit
die Sicherheitsdaten des Antiallergikums Loratadin Auslöser ist
eine ungewöhnlich hohe Zahl von Fehlbildungen bei Kindern, deren
Mütter in der Schwangerschaft Loratadin
eingenommen haben.
Im schwedischen medizinischen Geburtsregister sind 15 mal offene
Harnröhren (Hypospadien) bei 2.780 Kindern nach Exposition der
Mutter in der Frühschwangerschaft erfasst. Dies entspricht einer
Hypospadie auf 185 Schwangerschaften bzw. einem Bericht auf etwa
90 männliche Neugeborene. Insgesamt soll das Vorkommen dreifach
höher sein als die natürliche Inzidenz. Aus anderen europäischen
Ländern liegen keine Berichte vor (1). Antiandrogene Effekte als
mögliche Auslöser von Hypospadien ließen sich nicht nachweisen
(2).
Loratadin und sein Hauptmetabolit Desloratadin sind
beim derzeitigen Kenntnisstand in der Frühschwangerschaft zu
meiden. Im ersten Trimenon sind generell die älteren Antihistaminika
vom Typ Clemastin und Dimetinden den neueren geringer sedierenden
Abkömmlingen vorzuziehen. Die versehentliche Einnahme der weniger
gut dokumentierten neueren Antiallergika rechtfertigt jedoch weder
einen risikobegründeten Schwangerschaftsabbruch noch invasive
Diagnostik (3).
1 Reuters Health Information 25. April 2002
2 Schering-Plough: Statement on Sweden' s Medical Products Agency
(MPA) Report on Loratadine and Desloratadine, 25. Apr. 2002
3 SCHAEFER, C., SPIELMANN, H. et al. (Hrsg.): "Arzneiverordnung
in Schwangerschaft und Stillzeit", Gustav Fischer,
Stuttgart, 6. Aufl. 2001, Seite 62
Quelle: arznei-telegramm
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