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Quelle: Journal of the American Medical Association (JAMA)

 

Aus für Hormonersatztherapie (HET) ?

von Dr. med. Jochen Kubitschek

Weltweit nehmen Millionen ältere Frauen  auf Anraten ihrer Ärztinnen und Ärzte nach den Wechseljahren künstlich hergestellte Geschlechtshormone (Östrogene und Gestagene)  ein. Dieser Ausgleich der mit zunehmendem Alter allmählich versiegenden natürlichen Geschlechtshormone wird als Hormonersatztherapie (HET) bezeichnet und dient neben der Behandlung von aktuellen Wechseljahresbeschwerden auch und überwiegend der Verhütung von im Alter vermehrt zu beobachtenden Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfällen und der Senkung des Risikos für eine erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose).

In der Vergangenheit gab es immer wieder Hinweise darauf, das diese Therapie tatsächlich bewirkt, wofür sie gedacht war. Doch in den letzten Jahren mehren sich besorgniserregende Anzeichen dafür, dass diese Studienergebnisse  fehlinterpretiert wurden - bzw. dass die Ergebnisse auf nicht identifizierten Faktoren beruhten, die mit der Hormongabe selbst nichts zu tun haben.

Eine jetzt im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie bedeutet das vorläufige Aus für die Hormonersatztherapie. Längst war bekannt, dass die über viele Jahre zugeführten Geschlechtshormone  die Häufigkeit von Brust- und Gebärmutterkrebs erhöhen. Diese zusätzliche Gefährdung wurde aber nach der weit verbreiteten Meinung der Mehrzahl der Ärzte dadurch aufgewogen, dass die oft tödlich verlaufenden Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle offenbar unter der Hormonersatztherapie seltener beobachtet wurden. Dieser in vielen Ländern übliche Austausch des Teufels mit dem Belzebub  kann nun nicht mehr zur Rechtfertigung der Verordnung von Geschlechtshormonen herangezogen werden.

Die über sieben Jahre durchgeführte HERS- und HERS II-Studie  zeigte nämlich eindeutig, dass die mit Östrogenen und Gestagenen behandelten Frauen im Vergleich zur Placebogruppe signifikant häufiger an Thrombosen und Schlaganfällen erkrankten. In der Therapiegruppe starben 269 Patientinnen, während die Zahl der Todesfälle in der Placebogruppe nur bei  239 lag.

Auch die Hoffnung, dass es wenigstens zu einer Verminderung des Knochenbruchrisikos kommt, wurde enttäuscht: unter Östrogenen brachen mehr Hüften als in der Gruppe der mit einem unwirksamen Scheinmedikament behandelten Frauen.  Die Hormonersatztherapie macht somit bestenfalls als Kurzzeittherapie Sinn, die der Behandlung akuter Wechseljahresbeschwerden dient. Klingen Depressionen und Hitzewallungen aber wie üblich nach 1-2 Jahren ab, so sollte die Hormonersatz-Therapie auch beendet werden.

Kein Wunder daher, das die Ärztin Dr. Diana Petitti in JAMA in einem begleitenden Editorial an die Adresse der bisher für die Langzeit-Therapie in Frage kommenden Patientinnen konstatierte: "Fangen Sie die Hormonersatztherapie nicht erst an,  bzw.  stoppen Sie sie. Die HET bietet keinerlei Schutz vor Krankheiten."

 

                

 

JAMA, Vol. 288 No. 3, July 17, 2002


JAMA-EXPRESS

Risks and Benefits of Estrogen Plus Progestin in Healthy Postmenopausal Women


Principal Results From the Women's Health Initiative Randomized Controlled Trial

Writing Group for the Women's Health Initiative Investigators

Context Despite decades of accumulated observational evidence, the balance of risks and benefits for hormone use in healthy postmenopausal women remains uncertain.

Objective To assess the major health benefits and risks of the most commonly used combined hormone preparation in the United States.

Design Estrogen plus progestin component of the Women's Health Initiative, a randomized controlled primary prevention trial (planned duration, 8.5 years) in which 16608 postmenopausal women aged 50-79 years with an intact uterus at baseline were recruited by 40 US ,clinical centers in 1993-1998.

Interventions Participants received conjugated equine estrogens, 0.625 mg/d, plus medroxyprogesterone acetate, 2.5 mg/d, in 1 tablet (n = 8506) or placebo (n = 8102).

Main Outcomes Measures The primary outcome was coronary heart disease (CHD) (nonfatal myocardial infarction and CHD death), with invasive breast cancer as the primary adverse outcome. A global index summarizing the balance of risks and benefits included the 2 primary outcomes plus stroke, pulmonary embolism (PE), endometrial cancer, colorectal cancer, hip fracture, and death due to other causes.

Results On May 31, 2002, after a mean of 5.2 years of follow-up, the data and safety monitoring board recommended stopping the trial of estrogen plus progestin vs placebo because the test statistic for invasive breast cancer exceeded the stopping boundary for this adverse effect and the global index statistic supported risks exceeding benefits. This report includes data on the major clinical outcomes through April 30, 2002. Estimated hazard ratios (HRs) (nominal 95% confidence intervals [CIs]) were as follows: CHD, 1.29 (1.02-1.63) with 286 cases; breast cancer, 1.26 (1.00-1.59) with 290 cases; stroke, 1.41 (1.07-1.85) with 212 cases; PE, 2.13 (1.39-3.25) with 101 cases; colorectal cancer, 0.63 (0.43-0.92) with 112 cases; endometrial cancer, 0.83 (0.47-1.47) with 47 cases; hip fracture, 0.66 (0.45-0.98) with 106 cases; and death due to other causes, 0.92
(0.74-1.14) with 331 cases. Corresponding HRs (nominal 95% CIs) for composite outcomes were 1.22 (1.09-1.36) for total cardiovascular disease (arterial and venous disease), 1.03 (0.90-1.17) for total cancer, 0.76 (0.69-0.85) for combined fractures, 0.98 (0.82-1.18) for total mortality, and 1.15 (1.03-1.28) for the global index. Absolute excess risks per 10 000 person-years attributable to estrogen plus progestin were 7 more CHD events, 8 more strokes, 8 more PEs, and 8 more invasive breast cancers, while absolute risk reductions per 10 000 person-years were 6 fewer colorectal cancers and 5 fewer hip fractures. The absolute excess risk of events included in the global index was 19 per 10 000 person-years.

Conclusions Overall health risks exceeded benefits from use of combined estrogen plus progestin for an average 5.2-year follow-up among healthy postmenopausal US women. All-cause mortality was not affected during the trial. The risk-benefit profile found in this trial is not consistent with the requirements for a viable intervention for primary prevention of chronic diseases, and the results indicate that this regimen should not be initiated or continued for primary prevention of CHD.

JAMA. 2002;288:321-333
 

mehr Informationen (Originalquelle JAMA)

 

 

 

 

 

 

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