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Quelle:
Medical Tribune
24. Mai 2002

Nepper,
Schlepper Bauernfänger im weißen Kittel - deutsche Apotheker schwatzen
gutgläubigen Allergikern sinnlose Haaranalysen auf
Wissenschaftlich nicht abgesicherte Geschäftspraktiken wirft Professor
Dr. Franz Daschner , Institut für Umweltmedizin Universität
Freiburg, jenen selbsternannten „Umwelt-Apothekern“ vor,
die gutgläubigen unter Heuschnupfen leidenden Allergikern zum
Zweck der Diagnostik und Therapie ihres lästigen Leidens Haaranalysen
aufschwatzen. Bundesweit bieten derzeit etwa 150 Apotheker Haaranalysen
an, mit deren Hilfe angeblich nicht nur die Ursache des Heuschnupfens
gefunden werden soll, sondern auch jene von Neurodermitis,
Unfruchtbarkeit und Hyperaktivität bei Kindern. Natürlich
wird nach der Diagnose eine teure aber in Hinsicht auf die Allergie
wirkungslose Therapie angeboten, die dessen ungeachtet die Kassen
der Apotheker weiter füllt.
Angeblich
sollen die rund 100 Euro teuren Haaranalysen dazu dienen,
bislang unerkannte Störungen des Mineralstoffwechsels nachzuweisen,
die für einen bestehenden Heuschnupfen verantwortlich gemacht
werden. Doch dieser Zusammenhang zwischen Mineralstoffwechsel
und Allergien ist offenbar frei erfunden.
Das
Fachblatt Medical Tribune bat die Repräsentanten der „Arbeitsgemeinschaft
der Umwelt-Apotheker“ vergeblich um Vorlage wissenschaftlicher
Belege für die gewagte Theorie. Trotz mehrfacher Nachfrage blieb
Dr. rer. nat. Stefan Neumann eine konkrete Antwort schuldig.
Der Präsident der Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie, Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus,
lässt aufgrund der Faktenlage keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit
der „Umwelt-Apotheker“: „Ich kenne keine seriösen Erkenntnisse,
die eine solche Art der Haar-Mineralstoffanalysen, als Stand der
Wissenschaft betrachten lassen.“ Und der renommierte Allergieexperte
Dr. Herbert Riechelmann, HNO-Klinik der Universität Ulm,
bringt es auf den Punkt indem er den Zusammenhang zwischen Heuschnupfen
und Mineralstoffwechsel als reines Fantasiegebilde bezeichnet
und die Hintergründe dieses Angebotes so charakterisiert:
„Bei den Empfehlungen zur alternativen Allergiediagnostik und
–therapie handelt es sich lediglich um Geldschinderei.“
Für
Professor Daschner steht daher fest: „Was die Umwelt-Apotheker
da mit den Haaranalysen versprechen ist haargenau falsch und zum
Haareausraufen“. Er empfiehlt daher den geschäftstüchtigen
Apothekern die Rückkehr zu ihrem Kerngeschäft: „sie sollten aufhören
Haaranalysen anzubieten und stattdessen weiterhin Haarwuchsmittel
verkaufen.“
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