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Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 18.12.2002
Wenn Krankenhäuser krank machen
Der Wittener Virologe Prof. Dr. Manfred H. Wolff kritisiert:
Vor allem
Krankenhausärzte nehmen es aus Unkenntnis mit der Hygiene oft
nicht so
genau
Normalerweise gehen Menschen ins Krankenhaus, um wieder gesund
zu
werden. Trotzdem erkranken jährlich etwa 500.000 bis eine Million
Patienten während eines Krankenhausaufenthalts (nosokomiale
Infektionen). Häufig sind diese zwar nicht lebensbedrohend,
stellen aber
dennoch eine starke Beeinträchtigung für die Patienten dar.
"Ursache dafür ist mangelnde Hygiene", so der Witten/Herdecker
Virologe
Prof. Dr. Manfred H. Wolff. Viren und Bakterien werden im Krankenhaus
vor allem durch die Hände von Ärzten und Pflegepersonal übertragen.
Es
ist immer wieder zu beobachten, dass keine oder falsche
Händedesinfektion durchgeführt wird.
Neben dem immer größer werdenden Zeitdruck seien vor allem schwere
Versäumnisse in der Medizinerausbildung Ursache für diese Laxheit:
"Hygiene findet sich so gut wie nie auf den Lehrplänen
oder rangiert
abgeschlagen in den so genannten `kleinen Fächern´." Dabei
reichte schon
die Beachtung einfachster Grundregeln aus, um einen Großteil
der
Infektionen zu verhindern: "Dass man sich als Arzt nach
einem
Toilettenbesuch die Hände wäscht, sollte selbstverständlich
sein,
ebenso, dass man nicht zu einem neuen Patienten geht, ohne sich
vorher
und auch nachher die Hände desinfiziert zu haben." Auch
das klinische
Reinigungspersonal steht im Verdacht, es mit der Hygiene nicht
immer so
genau zu nehmen; vor allem dann, wenn im Zuge von Kostendruck
bei der
Vergabe nur noch der billigste Anbieter zum Zuge kommt. Zwar
gebe es in
jeder Klinik eine Hygienefachkraft. Da diese aber nicht dem
ärztlichen,
sondern dem Pflegepersonal (mit einer Spezialausbildung) angehöre,
fehle es diesen Mitarbeitern häufig an "Hausmacht".
Manche "Halbgötter
in Weiß" ließen sich nur sehr ungern von den Pflegern auf
Mängel in
der Hygiene hinweisen.
Patienten empfiehlt Wolff, auch ihrem Hausarzt gelegentlich
mal genauer
auf die Finger zu schauen und den Mut aufzubringen, ihn bei
augenfälligem Fehlverhalten darauf anzusprechen. "Ich selbst
habe bei
Behandlungen schon öfter Ärzte gefragt, weshalb er sich nicht
die Hände
desinfiziert hat."
Kontakt: Prof. Dr. Manfred H. Wolff, Tel.: 02302/669-107/-128